Wie du fast alle Herausforderungen bewältigen kannst: Die Fokus-Methode

selbstcoachingAls Marc S. zu mir ins Coaching kam, war er extrem frustriert: Zwei Jahre lang hatte er schon versucht, sich ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Er wollte sich als Stimm- und Rhetoriktrainer selbständig machen.

Allerdings war der Dreißigjährige über anfängliche Schritte  nicht hinausgekommen: Es fiel ihm schwer, sich selbst zu verkaufen. Die nötigen Akquise-Gespräche schob er vor sich her. Und gerne ließ er sich von anderen Aktivitäten ablenken.

Er wusste, dass er das ändern musste, wenn er mit seinem kleinen Unternehmen erfolgreich werden wollte. Mit Freunden hatte er schon viele Gespräche geführt, die Situation und seine Fehler analysiert.

Verändert hatte das bislang recht wenig – abgesehen davon, dass sein Selbstwertgefühl immer weiter sank.

Sein Wunsch, mit mir ein Coachinggespräch zu führen, war für ihn der letzte Versuch, vielleicht doch noch einmal „die Kurve zu kriegen“.

 

Warum es wenig Sinn macht, Fehler zu analysieren

Das Naheliegende, wenn etwas nicht funktioniert: Wir fragen danach, warum es nicht funktioniert und versuchen die Fehler zu analysieren. Genau das hatte Marc S. gemacht – ohne Erfolg.

Und diese Erfahrung von Marc S. lässt sich gut verallgemeinern, auch wenn es erst einmal überraschend klingt:

[grey_box]Es hilft in den seltensten Fällen, zu fragen, warum etwas nicht funktioniert hat. [/grey_box]

Keine Frage, im technischen Bereich funktioniert die Warum-Frage ohne Probleme: Wenn mein Auto nicht mehr anspringt, sucht der Mechaniker nach dem Fehler und lädt dann gegebenenfalls die Batterie wieder auf.

Der Unterschied ist: Menschen sind sehr viel komplexer strukturiert als ein Auto. Deshalb funktioniert die Ursachen- und Fehlersuche kaum noch, wenn es um Sachverhalte und Situationen geht, an denen Menschen beteiligt sind.

Marc S. etwa wusste ganz genau,  wo seine Schwächen und Fehler lagen, aber weitergeholfen hat ihm das nicht.  Ein Paar, das sich ständig streitet, weiß irgendwann ganz genau, wo die Fallen lauern, aber deshalb weiß es noch lange nicht, wie es besser geht. Die Studentin, die durch alle Prüfungen gerasselt ist, weiß, dass sie nicht zu wenig gelernt hat, sondern unter großer Prüfungsangst leidet. Aber: Hilft ihr dieses Wissen in der nächsten Prüfung?

Nein. Denn entgegen landläufiger Meinung ist das genaue Analysieren einer Ursache nicht die Voraussetzung dafür, um etwas besser zu machen.

Sondern es gibt eine viel schnellere und effektivere Methode, um Probleme zu lösen und Herausforderungen zu bewältigen.

Diese Methode heißt Fokus-Methode und du kannst sie hervorragend im Selbstcoaching anwenden.

 

Schaue auf das was funktioniert und mache mehr davon

Durch die Fokus-Methode lernst du eine erst mal ungewohnte Vorgehensweise kennen, die aber extrem wirksam ist.

Des Grundprinzip lautet:

Lenke deine Aufmerksamkeit auf Ausnahmen, in denen das Problem nicht aufgetreten ist oder nicht so ausgeprägt war
oder
Schaue auf vergleichbare Situationen, die du schon erlebt hast und in denen du mit einer ähnlichen Herausforderung gut oder zumindest besser klar gekommen bist.

Wenn du etwas gefunden hast, versuchst du dich in die Ausnahmesituation hineinzuversetzen oder dir wieder die Erfolgssituation aus deiner Vergangenheit vor Augen zu führen:

  • Wie hast du dich da gefühlt?
  • Was hast du(!) in dieser Situation anders gemacht?
  • Welche eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten kannst du an dir in der damaligen Situation entdecken?

Und dann:

Mache das, was funktioniert hat wieder!

Konzentriere dich darauf!
Du hast es in dir und kannst es auch wieder umsetzen.
Und: Mache immer mehr davon.

Marc S. etwa fielen gleich eine Situation ein: Auf einer Zugfahrt war er mit den anderen Fahrgästen ins Gespräch gekommen. Er hatte erzählt von seiner Tätigkeit als Rhetorik- und Stimmtrainer. Und es war ihm gar nicht schwer gefallen, von sich selbst zu erzählen und sich zu verkaufen.

Aus diesem Gespräch ist nie ein Geschäftsbeziehung geworden. Aber für Marc S. war es eine Ausnahmesituation, in der es ihm gelungen war, PR in eigener Sache zu machen.

Er nutze nun die Erinnerung an diese Ausnahme. Er fokussierte sein Aufmerksamkeit darauf. Er meditierte das damals Erlebte mehrfach. Er veränderte seinen Glaubenssatz: denn er hatte es zumindest in dieser Ausnahmesituation erlebt dass er es konnte. Er konnte sich selbst verkaufen.

Die Fokusierung seiner Aufmerksamkeit auf das, was gelungen war, hat ihm Mut gemacht. Es hat seine innere Einstellung geändert. Er konnte nun den nächsten kleinen Schritt in Richtung auf die Verwirklichung seines beruflichen Traums gehen. Und mit dem Bewusstsein dieses Erfolges konnte er dann immer weitere Schritte gehen.

Und das kann dir auch gelingen!

Wichtig ist: Auch wenn du in einer sehr schwierigen Situation bist oder vor einer großen Herausforderung stehst: Ich bin sicher, es gibt diese oben beschriebenen Ausnahmen auch in deiner Situation. Du hast sicher schon andere Erfahrungen in deinem Leben gemacht, in denen du Kompetenzen an dir erlebt hast, die dir auch heute weiterhelfen können.

Du wirst sicher darauf kommen, wenn du eine Weile darüber nachdenkst. Auch in schon lang anhaltenden und sehr verfahrenen Situationen gibt es meistens Ausnahmen, in denen etwas funktioniert hat: In denen der Konflikt nicht so schlimm war, in dem die Zusammenarbeit ganz gut geklappt hat. In denen es gelungen ist, das Vorhaben umzusetzen.

Die Fokus-Methode wird auch häufig zum Training von mentaler Stärke eingesetzt. Im Download-Bereich findest du ein Worksheet, mit dem du deine mentale Stärke entwickeln kannst. Hier klicken.

 

Fazit

Wenn du in einer schwierigen Situation bist oder vor besonderen Herausforderungen stehst, dann versuche nicht Fehler oder Hindernisse zu analysieren.

Wende die Fokus-Methode an: Konzentriere deine Aufmerksamkeit auf das, was gut funktioniert (hat).

Mache mehr von dem, was gut funktioniert.

Steve de Shazer, einer der Vordenker systemischen Denkens hat dieses Grundprinzip zusammenfassend einmal so formuliert:

Problem talk creates problems,
solution talk creates Solutions.

Reden über Probleme schafft Probleme,
Reden über Lösungen schafft Lösungen.

Comments 15

  1. Grandioser Artikel, lieber Oliver!
    Es ist so simpel und doch denkt man nicht daran! Für mich kommt das gerade perfekt, denn ich merke, wie ich mich ein wenig verstricke und ins Analysieren gerate. Die Frage stellen wir uns doch ständig, warum etwas nicht funktioniert, obwohl man schon so oft versucht hat, eine Lösung zu finden. Mehr von dem zu machen, was bereits funktioniert, ist eine tolle Idee, die ich in Zukunft versuchen werde, umzusetzen! Danke dir für den Anstoß!!!
    Liebe Grüße
    Anna

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      Vielen Dank, liebe Anna, für deinen Kommentar.
      Ich kenne das, was du beschreibst, sehr gut. Es ist ja auch die gewohnte Denkweise, nach den Ursachen und Gründen zu fragen, wenn etwas nicht richtig funktioniert.
      Ich muss mich immer sehr bewusst davon lösen und meine Aufmerksamkeit auf das, was gut ist und klappt fokussiern.
      Aber dann hat es einen grandiosen Effekt.
      Liebe Grüße,
      Oliver

  2. Lieber Oliver,

    sehr schön anschaulich erzählt und den Unterschied herausgearbeitet, prima. Und vor allem einen Merksatz, der gut hängen bleibt, und mit dem man erstmal für sich arbeiten kann.
    Dankeschön. 🙂

    Liebe Grüße
    Stephanie

    1. Post
      Author

      Liebe Stephanie,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Es freut mich, wenn dir das, was ich geschrieben habe, etwas nützt!

      Liebe Grüße,
      Oliver

  3. Hallo Oliver,
    gerade die einfachen Sachen sind häufig die wirkungsvollsten! Die Aufmerksamkeit auf die Lösung zu richten, bringt ja Energie in diese Richtung und stärkt dadurch unsere Bereitschaft, diesen Schritt auch wirklich zu gehen.
    Eigentlich weiß ich es ja, aber ich brauche immer wieder Erinnerungen! Danke dir!
    Viele Grüße, Beatrix

    1. Post
      Author

      Liebe Beatrix,

      genau, das ist eine gute Ergänzung zu meinen Gedanken: Die Energie fließt dahin, wohin ich meine Aufmerksamkeit richte.

      Liebe Grüße,
      Oliver

  4. Hallo Oliver,

    Das ist auch sowas, eigentlich weiß man es, irgendwo tief in sich verborgen. Trotzdem macht man es nicht. Macht braucht diesen Stups, diese Anregung. Danke dafür! Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht. Dein Fazit drucke ich mir aus und hänge es über meinen Arbeitsplatz- zum immer wieder „anstupsen“.
    Lieben Gruss
    Christiane

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      Liebe Christane,

      vielen Dank für die nette Rückmeldung! Und genau das, was du sagst, glaube ich auch: Die meisten Lösungen hat man schon in sich. Man braucht eigentlich kein Ratschlag von außen, sondern nur einen „Stups“ oder eine gute Frage.

      Liebe Grüße,
      Oliver

  5. Hallo Oliver,
    ein schöner und interessanter Blogbeitrag. So einfach und doch so schwer was Du beschreibt. Oftmals bleibt der Mensch einfach im Problem hängen und kann die Lösung oder den nächsten Schritt einfach nicht sehen. So sehr wichtig sich dann wieder auf seine Ressourcen zu konzentriern. Was klappt so richtig gut? Öffnet und erweitert den Blick nach vorne. Danke dafür. Herzliche Grüße Karoline Beck

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      Author

      Vielen Dank, liebe Karoline. „So einfach und doch so schwer“ – das trifft es ziemlich gut. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in einen Fluss kommt und es mit zunehmender Praxis auch leichter werden kann…
      Liebe Grüße,
      Oliver

  6. Ein toller Artikel lieber Oliver. Es macht mir schon ein richtig gutes Gefühl und ich kann die Möglichkeiten erkennen, die in mir liegen und wie ich sie umsetzen kann.
    Also ich finde es einfach klasse Oliver, wie durch das durch den Artikel erreichst. Das Gefühl, dass Türen sich öffnen und dass alles möglich ist, mit dem richtigen Fokus 🙂

    Herzliche Grüße
    Silvia

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      Author

      Vielen Dank, liebe Silvia, für Deine netten Worte!

      Ich erlebe das genau wie du, dass sich durch den richtigen Fokus viele scheinbar verschlossene Türen öffnen!

      Liebe Grüße,
      Oliver

  7. Hallo Oliver,
    das ist ein sehr interessanter Artikel, der die Prinzipien zum Aufbau von Stärke näher bringt. Das Ausbrechen aus negativen, hindernden Glaubenssätzen durch den Fokus auf positive Erlebnisse ist eine gute Methode (wenn nicht die einzige), die im Selbstcoaching angewandt werden sollte, um sich selbst zu konditionieren, neue Handlungsstrategien anzuwenden.
    Das Konzentrieren auf eigene Stärken, hebt das Selbstvertrauen und Selbstvertrauen ist ja auch wiederum ausschlaggebend für den persönlichen Erfolg.
    Liebe Grüße,
    Alexander

    1. Post
      Author

      Hallo Alexander,
      vielen Danke für Deine Rückmeldung!
      Du hast recht, es gibt noch eine Reihe von weiteren Selbstcoaching-Methoden, die eine ähnliche Absicht verfolgen. Aus meiner Sicht ist die Fokus-Methode aber die einfachste und gleichzeitig effektivste. Was will man mehr… 😉
      Liebe Grüße,
      Oliver

  8. Hallo Oliver,

    ich kann nur bestätigen, dass dieses Vorgehen sehr erfolgreich ist.
    Ich nutzte es für 20minütige Kurzcoachings am Telefon und
    es ist immer wieder faszinierend, wie schnell Menschen damit IHRE Lösung finden.
    Daher bin ich überzeugt, dass es auch im Selbst-Coaching funktioniert.
    Herzliche Grüße
    Maren

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